Schritt für Schritt schreite ich voran. Immer weiter nach vorne, immer gerade aus und der Nase nach. Über Stolpersteine, durch Wasserpfützen und mit immer wechselndem Schuhwerk versuche ich meinen Weg zu bestreiten. Ausgerüstet mit allen möglichen Hilfsmitteln strebe ich stets nach vorne, immer bedacht, nicht hinzufallen oder gar stehen zu bleiben. Manchmal senke ich meinen Blick, um genau erkennen zu können wohin ich gerade trete. Ein anderes Mal schaue ich zurück - mal mit Stolz, welche vorerst unüberwindbar scheinenden Hürden ich gemeistert habe - mal mit schmerzender Sehnsucht wieder dorthin zurückkehren zu wollen, woher ich gekommen war.
Aber vor einem Jahr verlor ich plötzlich den Boden unter meinen Füßen. Das Hinfallen fühlte sich mehr wie ein Sturz aus enormer Höhe an. Der Aufprall grob und schmerzhaft. Aufstehen und weiterlaufen schien unmöglich. Liegen bleiben und Wunden lecken war da eher angebracht. Zitternd vor Kälte, ängstlich, allein und in der Dunkelheit gefangen, kauere ich mich auf meinem staubigen kleinen Fleck Erde, der mich zu verschlingen drohte, zusammen und krümmte mich vor Kummer. Erst als der erste Schock des Sturzes überwunden war, bemerkte ich, dass ich gar nicht weit gefallen war. Der Boden gewann nach und nach an Stabilität, die Steine um mich herum wurden etwas weniger scharfkantig, der Regen lies etwas nach. Ab und zu spürte ich eine warme Hand auf meiner Schulter und mit jedem Atemzug gewann ich etwas Mut. Nach unzähligen Versuchen wieder Herr meiner Beine zu werden, schaffte ich es irgendwann mit immenser Anstrengung mich am Boden aufzurichten um mich umzusehen und meine Orientierung wieder zu erlangen. Ich wusste wohl instinktiv in welche Richtung ich mich fortbewegen musste. Aber irgendetwas hielt mich davon ab. Lieber verharrte ich noch etwas in dieser Position, schaute zurück und weinte um den Verlust des Weges, der im Nebel versunken hinter mir lag. Erst als sich mehrere Arme, wie eine unsichtbare Stütze, unter mir ausbreiteten und mir auf die Beine halfen, konnte ich den Horizont und die dort aufgehende Sonne erkennen. Etwas mutiger schaute ich nun auf das was vor mir lag. Der Himmel wurde etwas klarer, der Staub auf meiner Kleidung begann langsam zu trocknen und meine Wunden hörten auf zu bluten. Jedes neue Luftholen brachte mir etwas mehr Willenskraft und Mut den Weg weiterzugehen. Nach ein paar Schritten begannen auch die Schmerzen, die durch meine ganzen Körper zuckten, etwas schwächer zu werden. Langsam, ganz langsam versuchte ich einen Fuß vor den anderen zu setzen und merkte, dass mir das besser gelang, als ich es für möglich gehalten habe. Mit wackeligen Beinen und einem stets andauernden Zittern in den Knien traute ich mich sogar kleine Hindernisse zu überwinden. Manche Steine, die sich vor mir ausbreiteten und unüberwindbar schienen, erforderten besonderer Begutachtung und geduldiger Überwindungsstrategieentwicklung. Immer wieder ertappte ich mich dabei innerlich aufzugeben, alles hinschmeißen zu wollen. Doch der innere Antrieb und der Wunsch voranzukommen machten sich immer wieder bemerkbar und waren letztendlich die ausschlaggebende Kraft, die mich dazu zwang meine Knie durchzustrecken und den nächsten Schritt zu tun.
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